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Mord am Boxer Tunahan Keser – Eine Hinrichtung ohne Motiv?

Der junger Boxer Tunahan Keser verschwindet zunächst spurlos. Bis einen Monat später seine Leiche gefunden wird. Ermordet von einem Auftragskiller. Der Mörder wird gefasst – und begeht in der Untersuchungshaft Suizid. Die Gründe für den Mord? Sind bis heute unklar. Die Ermittlungen dauern an.

Tunahan Keser – das Opfer

Es ist der 23. Juni 2017. Der junge Boxer Tunahan Keser (Facebook-Profil), der im Hamburger Vorort Schenefeld bei seinem Vater wohnt, hat ein eigenes Unternehmen mit 12 Mitarbeitern und übernimmt Fahrzeugüberführungen für Audi. An diesem Tag verlässt er mit seinem Maserati gegen 17:15 das Gelände des Audi Zentrums Hamburg in der Kollaustraße 41-63. Er ist mit seiner Verlobten verabredet; gemeinsam wollen sie noch am Abend nach Köln zu Tunahans Mutter fahren. Doch Tunahan taucht nicht auf. 

Als seine Verlobte bei der Polizei Vermisstenanzeige erstatten will, wird sie zunächst abgewiesen. Tunahan sei volljährig und könne gehen, wohin er will. 

Ein paar Tage später wird Tunahans Maserati gefunden – nur etwa 120 Meter von seiner Arbeitsstätte, dem Audi Zentrum Hamburg, in der Alte Kollaustraße gefunden. Später wird die Polizei (Link zur Sonderkommission, teilweise abgeschaltet) anhand der Daten des Bordcomputers ermitteln, dass Tunahan am 23. Juni 2017 um 17:32 Uhr in Holmmoor Ost von der Autobahn abgefahren ist und die Raststätte über die Lieferantenausfahrt verlassen hat. Nur fünf Minuten hält das Auto dort – dann wird es zurück nach Hamburg gefahren und um 18:04 an seinem späteren Fundort abgestellt.

Knapp einen Monat später, am 21.07.2017, wird Tunahan Keser nahe der Autobahnraststätte Holmmoor Ost an der A 7 aufgefunden. Ein polnischer LKW-Fahrer entdeckt ihn in einem kleinen Waldstück. Tunahan wurde erschossen. Er wurde mit einem Kopfschuss hingerichtet. Noch heute ist eine Mulde an der Stelle zu erkennen, an der Tunahan gefunden wurde. Die Gerichtsmedizin hat auch die Erde unter seiner Leiche mitgenommen, um diese auf etwaige Spuren zu untersuchen.

Tunahan Keser - Leichenfundort
Tunahan Keser – Leichenfundort. Bild: Michael Heinbockel

Der Täter

Ein Mann, Frank Lindner, wird im Zusammenhang mit einer anderen Tat, einem Raubmord in Appen an einer 76-jährigen Frau, im Januar 2018 festgenommen. Es besteht keinerlei Verbindung zwischen ihm und Tunahan Keser – doch einem Mithäftling in der Justizvollzugsanstalt Itzehoe vertraut er an, Tunahan im Auftrag ermordet zu haben. In der Nacht vom 20.01. auf 21.01.2018 begeht er schließlich in seiner Zelle Suizid. 

Lindner wohnte weniger als einen Kilometer vom Fundort der Leiche entfernt in einem schäbigen Einfamilienhaus im Harksheider Weg.

Ehemaliges Wohnhaus Frank Lindner
Ehemaliges Wohnhaus Frank Lindner. Bild: Michael Heinbockel

Als die Polizei durch den Mithäftling von einer möglichen Tatbeteiligung Lindners am Mord an Tunahan erfährt, durchsucht sie am 24.01./25.01.2018 das Grundstück, auf dem Lindner gewohnt hatte. Ende Februar 2018 erfolgt eine weitere Durchsuchung – diesmal unter Zuhilfenahme von Baggern.

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Im Zuge dieser Durchsuchung werden schließlich unter anderem Munitionsteile und die Waffe sichergestellt, mit der Tunahan Keser erschossen wurde. Frank Lindner – drogensüchtiger Maler, Trockenbauer und Auftragsmörder.

Briefkasten Frank Lindner
Briefkasten Frank Lindner. Bild: Michael Heinbockel

Die Hintergründe 

Damit scheint festzustehen, wer Tunahan Keser ermordet hat. Doch eines weiß bisher niemand – was das Motiv gewesen ist. Tunahan Keser war Nachwuchsboxer; die Polizei vermutet, dass Frank Lindner als Auftragsmörder tätig wurde und die wahren Täter sowie das Motiv für den Mord in der Boxerszene zu suchen sind. Für diese Theorie spricht, das Tunahan Kesers Boxtrainer Khoren Gevor nur wenige Stunden vor dem Mord, am 23.06.2017 gegen 00:30 Uhr, vor seiner Wohnung in Wedel aufgelauert und ins Knie geschossen wurde. Feinde hatte Tunahan nicht; Khoren Gevor deutete jedoch an, dass er mit einer Person aus der Boxerszene „Stress“ gehabt habe. Namen und Details dazu behält er jedoch, zumindest gegenüber den Medien, für sich.

Aktueller Stand

Tunahans Leiche wurde in die Türkei überführt und dort bestattet. Auch Tunahans Vater lebt inzwischen wieder in der Türkei. Tunahans Familie kann mit dem Mord an ihm nicht abschließen – zu sehr beschäftigt sie die Frage, warum er sterben musste. Die damals eingerichtete Soko wurde aufgelöst; die polizeilichen Ermittlungen dauern jedoch immer noch an, über drei Jahre nach der Tat. Ob die wahren Gründe und die Hintermänner jemals ermittelt werden, bleibt abzuwarten.


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Geschrieben von

Autorin. Rechtsanwältin. Apfel-affin. Katzennärrin. Nervtötend.

 
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